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Literaturcafé mit Wladimir Kaminer am 30. Mai

Am vergangenen Donnerstag, 30. Mai fand das letzte Literaturcafé in diesem Schuljahr statt. Zu Gast war diesmal Wladimir Kaminer, „privat ein Russe, beruflich ein deutscher Schriftsteller“ und seit kurzem „Kreuzfahrer aus Leidenschaft“. Daher las er auch für die Besucher des Literaturcafés aus seinem aktuellen Roman „Die Kreuzfahrer“, in dem er mit dem ihm eigenen Witz von seiner neu entdeckten Leidenschaft für Schiffsreisen erzählt.

Auf vier verschiedenen Kreuzfahrten war Kaminer an Bord, um die Touristen abends mit seinen Lesungen zu unterhalten. Was ihn nach eigener Aussage an Kreuzfahrten fasziniert, ist „dass ich in kürzester Zeit unglaublich viele Geschichten erfahre, die mir auf dem Festland nie begegnen würden. (...) Aber es ist auch anstrengend. Ich habe zum Beispiel die Aufgabe als Unterhalter total unterschätzt. Ich dachte, drei Lesungen in zwei Wochen, das schaffe ich locker. Aber eine Lesung auf dem Schiff ist nicht mit einer Lesung auf dem Festland zu vergleichen. An Bord bleiben dir deine Zuhörer die ganze Zeit erhalten, quasi als Dauerpublikum zum Frühstück, Mittag- und Abendessen.“

Wie Kaminer mit dieser Herausforderung umgegangen ist, konnten die Besucher des Literaturcafés von ihm aus erster Hand erfahren und er berichtete an dem Abend nicht nur von seinen Beobachtungen an Bord, wo der Reisende eine schwimmende Oase des Glücks betritt, in der unablässig Schlagermusik läuft, deren Texte alle Anwesenden auswendig mitsingen können und das Wichtigste der reibungslose Übergang von einer Mahlzeit in die nächste ist. „Stößchen!, riefen die Unterhaltungsoffiziere, die selbst nur Wasser zu sich nahmen, aber stets dafür sorgten, dass sich alle Gäste betranken.“ Kaminer erzählte auch von seinen Erlebnissen bei den Landgängen, wo es jedes Mal nicht darum ging, wirklich etwas vom Land zu sehen, sondern nur eine weitere Stadt abzuhaken, Souvenirs aufgeschwätzt zu bekommen und die nächste Bar zu finden. Und wir erfuhren dabei auch, dass nicht nur in Griechenland die Touristenführer und Souvenirverkäufer vielfach ausgewanderte Russen sind, die Kaminer sofort als einen der ihren erkennen und ihm Pelzprodukte verkaufen wollen.

Nach dem furiosen ersten Teil konnten sich die Besucher des Literaturcafés in der Pause diesmal bei herrlichem Wetter im Freien beim Jahrgang 11 mit Tapas und kühlen Getränken versorgen.

Im zweiten Teil des Abends las Kaminer noch eine Geschichte aus „Das Leben ist keine Kunst: Geschichten von Künstlerpech und Lebenskünstlern.“ Danach konnten die Besucher Fragen stellen, die sich vor allem auf Kaminers Arbeit als Autor und Geschichtenerzähler bezogen, aber natürlich wurde er im Anschluss an „Die Kreuzfahrer“ auch nach seiner persönlich bevorzugten Form von Urlaub gefragt. Am liebsten wohne er privat bei Freunden und Bekannten, die ihm die Stadt zeigen, wodurch er zu neuen Geschichten inspiriert wird.

In der Pause und nach dem Ende der Veranstaltung konnten sich die Besucher wie immer die am Bücherstand der Buchhandlung Auryn erworbenen Bücher signieren lassen.