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Literaturcafé mit Selim Özdogan am 24. April 2019

Am vergangenen Mittwoch, 24. April war der deutsch-türkische Autor Selim Özdogan zu Gast im Literaturcafé.

Im ersten Teil des Abends las er aus seinem Roman „Wo noch Licht brennt“, dem dritten Band der Trilogie über Gül, die aus Anatolien mit ihrem Mann nach Deutschland zieht. Während ihr das Land auch nach Jahren noch fremd bleibt, ist sie in ihrem türkischen Heimatdorf inzwischen „die aus Deutschland“. In den einfühlsamen Romanen geht es um Heimat und das Leben zwischen zwei Welten, und Selim Özdogan gibt damit jenen Frauen eine Stimme, die wir als kopftuchtragende Mütter und Großmütter aus dem Bus oder dem Supermarkt kennen, deren Alltagswelt den meisten jedoch unbekannt bleibt.

An dem Abend unternahm er den interessanten Kunstgriff, den Zuhörern seine Protagonistin nahezubringen, indem er zwei Nebenfiguren des Romans präsentiert. Durch die Interaktion mit ihnen in den ausgewählten Passagen erfährt man aber sehr viel über Gül selbst, über ihr Leben in Deutschland und ihre Sicht auf die Dinge des Lebens.

In der Pause konnten sich die Besucher des Literaturcafés mit Tapas und Getränken stärken, die wie immer vom Jahrgang 11 angeboten wurden.

Danach präsentierte Selim Özdogan im zweiten Teil des Abends kürzere Texte, zum Großteil von ihm selbst, die er als die „eigentlich geeigneten Texte“ für eine solche Veranstaltung bezeichnete. Er gestand dabei ein, dass ihm das übliche Format der Autorenlesung inclusive anschließender „Fragerunde“ eigentlich widerstrebe und er es bevorzuge, über solche kürzeren Texte einen engeren Kontakt zu seinem Publikum herzustellen. Auch wurde hier deutlich, dass er nicht zu den Autoren gehören will, die nur über das schreiben, was sie selbst erlebt haben. Er ist vielmehr der Überzeugung, dass eine Form der „kulturellen Aneignung“ durchaus statthaft sei und dass dadurch das thematische Spektrum des eigenen Schreibens erheblich vergrößert werde.

Am darauffolgenden Morgen las Selim Özdogan für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 kürzere Texte, die auch thematisch auf sein jugendliches Publikum abgestimmt waren. Er legte damit auch hier den Schwerpunkt der Veranstaltung darauf, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. So wurden viele Fragen über das Leben und Arbeiten als Autor gestellt, was schnell zu der grundsätzlichen Frage führte, wie und warum man bestimmte Entscheidungen für sein Leben trifft.

Selim Özdogan präsentierte sich der DSM als ein Autor, der zum Nachdenken anregen und nicht die vorhandene Rollenerwartung an einen lesenden Autor einfach nur erfüllen will.