Anfang Juni war der Schriftsteller Jonas Lüscher in der DSM zu Gast. Der vielfach ausgezeichnete Autor stellte am ersten Abend seines Besuchs im Literatur-Café seinen Roman „Verzauberte Vorbestimmung“ vor, der 2025 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand und mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis ausgezeichnet wurde.
Lüscher führte sein Publikum von den Weberaufständen des 19. Jahrhunderts bis in ein futuristisches Ägypten. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Technik. Es wurde deutlich, dass der Mechanismus aus technologischer Entwicklung und Kapitalismus, der bereits die Frühindustrialisierung prägte, auch die gegenwärtigen Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz vorantreibt. Der Autor betonte, dass sein Roman keine einfache Dystopie ist, sondern die Ambivalenz technologischen Fortschritts auslotet.
Diskutiert wurden anschließend Fragen wie: Wie gelingt ein guter Umgang mit moderner Technik? Welche Rolle spielen Tod, Lachen und Liebe? Und letztlich: Was macht den Menschen zum Menschen? Besonders interessant für das Publikum waren die Überlegungen zu KI in Schule und Berufswelt.
Und denjenigen, die vielleicht nachdenklich oder besorgt nach Hause gingen, gab Lüscher am Ende das ermutigende Eingangszitat des Romans von Peter Licht mit auf den Weg: „Die Technik wird uns retten und die Liebe auch.“
Am folgenden Tag fand die literarische Reise eine erfolgreiche Fortsetzung – diesmal für die Schülerinnen und Schüler der elften Klassen. Zu diesem Schülerliteraturcafé durfte die DSM neben Jonas Lüscher einen weiteren ganz besonderen Gast begrüßen: den aus Madrid stammenden Autor und Literaturwissenschaftler Carlos Fortea, der als einer der profiliertesten Übersetzer deutschsprachiger Literatur in Spanien gilt.
Die beiden Gäste verbindet ein besonderes literarisches Band, das im Zentrum des Vormittags stand: Carlos Fortea hat Jonas Lüschers Erfolgsdebüt „Frühling der Barbaren“ unter dem Titel „La primavera de los bárbaros“ ins Spanische übersetzt. Den Jugendlichen bot sich so die Gelegenheit zu einem interaktiven Workshop und einem direkten Austausch.
Der erste Teil der Veranstaltung widmete sich ganz einer Lesung aus der Novelle „Frühling der Barbaren“. Die Schülerinnen und Schüler begleiteten hier den Schweizer Fabrikerben Preising auf seiner Reise in ein tunesisches Oasenresort und wurden von der dichten Atmosphäre schnell in den Bann gezogen. Im zweiten Teil wechselte der Fokus auf den Übersetzungsprozess, bei dem die Jugendlichen auch selbst aktiv wurden: Sie erhielten die Gelegenheit, einzelne Textpassagen eigenständig vom Deutschen ins Spanische zu übertragen. Im anschließenden Dialog mit den beiden Gästen entwickelte sich ein spannender Austausch. Dabei erhielten die Schülerinnen und Schüler direkte Einblicke in die handwerklichen und künstlerischen Herausforderungen, die das Übersetzen eines literarischen Werkes mit sich bringt
Herzlichen Dank an Jonas Lüscher und Carlos Fortea für ihren bereichernden Besuch an der DSM!