Ἄνθρωπος ζῷον λόγον ἔχον
Der Mensch ist ein Lebewesen, das spricht
(Aristoteles).
Die Schule ist der klassische Ort sprachlicher Bildung, und nicht zufällig ist die Schule auch der Ort, an dem die klassische Rhetorik ihren Anfang nahm. Eine Rede gut zu gestalten, ist eine Aufgabe, die Talent, Übung und Unterricht verlangt. Rhetorik kann man lernen, wenn man dabei Bestätigung erfährt und Beispiele findet, die zeigen, dass die Mühe lohnt.
Das Debattieren ist eine besonders reizvolle Art, sich der Rhetorik anzunähern. Pro und Contra, witzige Wortwechsel, Themen, die alle angehen, sind für Zuhörende wie Debattierende interessant. Eine Vielzahl von Fähigkeiten kommt zusammen, zumal, wenn man an die umfangreiche Vorbereitung denkt. Das Debattieren gilt deshalb mit Recht als Königsdisziplin der Rhetorik.
Als Inbegriff des Streits nach Regeln ist die Debatte zugleich ein Modell für Willensbildung in unserer demokratischen Gesellschaft. Denn überall, wo wir als Bürgerinnen und Bürger zusammenkommen, um zu verbindlicher Entscheidung in praktischen Fragen zu gelangen, überall, wo wir in Rede und Gegenrede klären, was bei der betreffenden Entscheidung zu bedenken ist, wird debattiert.
Wer reden kann, kann gemeinsam mit anderen etwas bewegen. Ob in der Schule, in der Familie, im Freundeskreis oder im Verein: Wenn Entscheidungen anstehen und schwierige Fragen zu klären sind, kommt es darauf an, Position zu beziehen und sich mit anderen auszutauschen. Jugend debattiert zeigt, wie wichtig es ist, mitzureden in der Gesellschaft. Bei „Jugend debattiert“ können Schülerinnen und Schüler außerdem lernen, sicher und überzeugend aufzutreten. Sich im Reden zu üben, nützt auch in mündlichen Prüfungen, bei Bewerbungen und später im Studium und Beruf.
Seit dem Schuljahr 2012-2013 gibt es „Jugend debattiert“ als gemeinsames Projekt an den Deutschen Schulen in Iberien. An der DS Madrid nehmen die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen im Rahmen des Ethikunterrichts verbindlich am Training für „Jugend debattiert“ teil. Die Teilnahme am Wettbewerb ist freiwillig.
Bereits vor den Weihnachtsferien erhielten die 16 Schülerinnen und Schüler die Themen für die Debatten des Wettbewerbs:
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Soll die Handynutzung an der DS Madrid grundsätzlich erlaubt werden (Qualifikation 1)
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Soll der öffentliche Nahverkehr grundsätzlich kostenlos sein? (Qualifikation 2)
- Soll das "freiwillige soziale Jahr" verpflichtend sein? (Finale)
Wer mit "Ja" antwortet, spricht sich für das Gefragte aus ("Pro"). Wer "Nein" sagt, wendet sich dagegen ("Contra"). Eine gute Debatte lebt von gegensätzlichen Ansichten, die sachlich vertreten werden. Daher ist die Begründung ebenso wichtig wie die Position. Debatten zielen darauf ab, herauszufinden, welche Argumente am meisten überzeugen.
Im Finale unseres 11. Regionalwettbewerbes konnte sich Katharina Gutzeit (1. Platz) gegenüber ihren Mitdebattantinnen Annika Schneider (2. Platz), Olivia Hollerbuhl (3. Platz) und Luise Schulze (4. Platz) durchsetzen.
Diese 4 Schülerinnen werden die DS Madrid auf dem Landeswettbewerb „Jugend debattiert Iberien“ vertreten, der in diesem Jahr vom 14. bis 17. März 2023 an der DS Madrid stattfinden wird, als Debattantinnen bzw. als Jurorinnen. Am Landeswettbewerb nehmen Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schulen Barcelona, Bilbao, Lissabon, Madrid, Málaga, Porto, Las Palmas (GC), San Sebastian, Sevilla und Teneriffa teil.
Abschließend möchte ich an dieser Stelle allen Beteiligten – Debattantinnen und Debattanten, Schülerjurorinnen und –juroren sowie den Ethiklehrkräften – ganz herzlich für ihr Engagement danken.
Jan Bernert (Landeskoordinator „Jugend debattiert Iberien“)
Mehr Informationen unter: www.jugend-debattiert.de