Debatte macht den Unterschied: Klar denken!
Jeder Mensch sieht und erlebt die Welt auf seine Weise. Wir verwenden dieselben Wörter und Wendungen und haben doch sehr unterschiedliche Gedanken dazu. Oft wollen wir davon aber gar nichts wissen – es könnte ja unsere Abläufe stören. Wenn uns dann soziale Netzwerke im Internet nur noch mit Anregungen und Angeboten gemäß unseren Vorlieben versorgen, wird der geistige Horizont sehr schnell sehr klein.
Unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse führen immer wieder zu Kontroversen und Konflikten. Es kommt entscheidend darauf an, wie man damit umgeht: Gutes Streiten muss erlernt und geübt werden, am besten von Angesicht zu Angesicht. Bei jeder Streitfrage trifft man gegenteilige Ansichten und muss sich hier und jetzt mit ihnen auseinandersetzen. Man glaubt sich in seiner Argumentation sicher und macht dann die Erfahrung, dass die Gegenseite sich der Sachse vielleicht ganz anders nähert.
Das gibt zu denken und öffnet Räume. In diesem Sinne laden Debatten ein, Dinge neu oder anders zu sehen und immer etwas zu lernen, sei es über die eigene oder eine andere Sicht auf die Welt.
Als Inbegriff des Streits nach Regeln ist die Debatte zugleich ein Modell für Willensbildung in unserer demokratischen Gesellschaft. Denn überall, wo wir als Bürger zusammenkommen, um zu verbindlicher Entscheidung in praktischen Fragen zu gelangen, überall, wo wir in Rede und Gegenrede klären, was bei der betreffenden Entscheidung zu bedenken ist, wird debattiert. Gute Debatten sind also eine Voraussetzung lebendiger Demokratie und eines gelingenden Zusammenlebens in unserer vielfältigen Gesellschaft.
Debattieren heißt: Stellung beziehen, Gründe nennen, Kritik vortragen – gegen- und mitein-ander. Die debattierenden Schülerinnen und Schüler müssen sich präzise ausdrücken können und einander zuhören.
Jugend debattiert fördert so die sprachliche und politische Bildung trägt zur Meinungs- und Persönlichkeitsbildung bei, weil kommunikative Fähigkeiten gestärkt werden, weil Sicherheit beim Auftreten vermittelt wird und weil die weil die politische Urteilsbildung verbessert wird.
Debatten beantworten Fragen, wie sie sich überall stellen: in der Familie, im Beruf, in der Politik. Am Anfang steht eine Entscheidungsfrage, auf die man nur mit "Ja" oder "Nein" antworten kann. Bereits eine Woche vor den Weihnachtsferien erhielten die 20 Schülerinnen und Schüler die Themen für die Debatten des 10. Regionalwettbewerbes „Jugend debattiert“ an der DS Madrid:
Sollen für die Klassenstufen 9 bis 12 verpflichtende Besuche kultureller Veranstaltungen in Madrid eingeführt werden?
- Sollten schon in der Grundschule alle SuS ein Schul-I-Pad haben?
- Soll das „Sitzenbleiben“ abgeschafft werden?
Wer mit "Ja" antwortet, spricht sich für das Gefragte aus ("Pro"). Wer "Nein" sagt, wendet sich dagegen ("Contra"). Eine gute Debatte lebt von gegensätzlichen Ansichten, die sachlich vertreten werden. Daher ist die Begründung ebenso wichtig wie die Position. Debatten zielen darauf ab, herauszufinden, welche Argumente am meisten überzeugen. Dafür ist gute Sachkenntnis unentbehrlich.
Debatte macht den Unterschied: Fair streiten!
Debatten haben Regeln, damit ein sachliches Streitgespräch entsteht. Wer den Regeln der Debatte folgt, hört andere an und lernt, seinen Standpunkt fair zu vertreten. Die Regeln bei Jugend debattiert sind so reduziert, dass sie auch im Alltag eine wertvolle Orientierungshilfe sind.
Debattiert wird jeweils zu viert: Zwei Personen antworten mit "Ja" und sprechen sich für das Gefragte aus ("Pro"), zwei antworten mit "Nein" sprechen sich gegen die Maßnahme aus ("Contra“).
Das Besondere an Debatten ist, dass beide Seiten durch gleichrangige Sprecher vertreten sind. „Pro“ beginnt, „Contra“ hält dagegen. Wer debattiert, muss Stellung nehmen:
In der Eröffnungsrunde beantwortet jeder Teilnehmer in zwei Minuten die Streitfrage aus seiner Sicht. Die Freie Aussprache dauert zwölf Minuten. Hier werden weitere Argumente gebracht und miteinander abgeglichen. In der Schlussrunde hat jeder Teilnehmer noch einmal eine Minute Zeit, die Streitfrage ein zweites Mal zu beantworten: diesmal im Lichte all der Argumente, die er gehört hat.
Im Finale des 10. Regionalwettbewerbes „Jugend debattiert“ an der DS Madrid konnte sich im Finale Olivia Allstadt Llanos (1. Platz) gegenüber ihren Mitdebattant/inn/en María Rueda López (2. Platz), Claudia Plaza Morales (3. Platz) und Nicolás de León Balanica (4. Platz) durchsetzen.
Die Plätze 1 bis 3 werden die DS Madrid auf dem Landeswettbewerb „Jugend debattiert Iberien“ Mitte März 2022 an der DS Bilbao vertreten, an dem Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schulen Barcelona, Bilbao, Madrid, Málaga, Porto, Las Palmas (GC), San Sebastian, Sevilla und Teneriffa in den Debatten aufeinandertreffen und die Landessieger „Iberien“ ermitteln.
Abschließend möchte ich an dieser Stelle allen Beteiligten – Debattantinnen und Debattanten, Schülerjurorinnen und –juroren sowie den Ethiklehrkräften – herzlich für ihr Engagement danken.
Jan Bernert (Landeskoordinator „Jugend debattiert Iberien“)
Mehr Informationen unter: www.jugend-debattiert.de