Der Autor Michael Kumpfmüller zu Gast an der DSM
Wer glaubt, Virginia Woolf habe nichts mit Spanien zu tun, der täuscht sich. Gerade erst erschien im Itineraria-Verlag das Buch „Hacia el sur“ (November 2021), das Tagebucheinträge, Briefe und Essays enthält, die Virginia Woolf (1882-1941) während ihrer Reisen durch Spanien verfasst hat. Insgesamt dreimal war die Schriftstellerin auf der iberischen Halbinsel. Und wer am 9. Dezember das Literaturcafé mit dem Autor Michael Kumpfmüller und seinem Roman „Ach, Virginia“ (2019) besuchte, konnte den Eindruck haben, sie sei nun ein viertes Mal nach Spanien gereist – gibt der Roman doch einen sehr eindrücklichen Einblick in die Innenwelt Virginias Woolfs. Der ein oder andere Gast war vielleicht mit einem etwas mulmigem Gefühl zu der Lesung gekommen: Bereits im Titel des neuesten Werks von Michael Kumpfmüller schwingt ja wahrlich Schwermut mit. Und tatsächlich beschreibt ein Roman über die zehn letzten Lebenstage von Virginia Woolf natürlich vor allem die Schattenseiten eines Lebens. Dass Kumpfmüllers Roman trotzdem „am Ende ein Plädoyer fürs Leben ist“ – so der Rezensent Peter Mohr –, liegt nicht zuletzt wohl auch am Erzähler. Michael Kumpfmüller gelang es durch seinen Lesevortrag in der Cafeteria der Deutschen Schule Madrid, diesem Erzähler eine Stimme zu geben, die einige der Zuhörenden trotz all der beschriebenen Düsternisse schmunzeln ließ. Und vielleicht lässt sich in der dadurch entstandenen Distanz zum Gelesenen ja eine Kritik an einem Übermaß an Ich-Bezogenheit und damit die Intention des Autors erahnen? In dem „Ach, Virginia“ klänge dann nicht nur Schwermut mit.
Wir danken Michael Kumpfmüller für seinen bereichernden Besuch an der Deutschen Schule Madrid!