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Oral History

Der Wettbewerb „Erinnern für die Gegenwart“, der im Frühjahr 2019 durch das
Auswärtige Amt in Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für das
Auslandsschulwesen ausgeschrieben wurde, richtete sich an Deutsche
Auslandsschulen. Innerhalb dieses Wettbewerbs sollten die Schüler Projekte
entwickeln, in denen sie eigene Schulgeschichte erforschen, sich mit der Geschichte
des Sitzlandes auseinandersetzen, die Beziehung zu Deutschland historisch
ergründen oder die geschichtlichen Vorläufer heutiger Phänomene von
Diskriminierung und Ausgrenzung aufarbeiten konnten.

Als wir im Mai 2019 von diesem Projekt erfuhren, war die Idee mit Zeitzeugen zu
arbeiten und das in der Form eines Oral History-Projektes, bei dem aktuelle DSM-
Schüler die Ehemaligen über ihre Erfahrungen und ihr Leben in Madrid und an der
DSM zur Franco-Zeit und zum Übergang zur Demokratie befragten, schnell
gefunden. Der Bereicherung, die dieses Projekt für alle Beteiligten bedeutete, wurde
uns aber erst im Laufe der gemeinsamen Arbeit bewusst.
Die Fachschaft Geschichte informierte vor den Sommerferien 2019 die Schüler der
8.-11. Klassen. Letztendlich begannen wir das Projekt mit Schülerinnen der 9. und
11. Klassen sowie einem Schüler der 11. Klassen.

Unter der Leitung von Danuta Kscheminski informierten sich die jungen Historiker
sowohl bei regelmäßigen Treffen als auch durch eigenständige Recherche über die
spanische Geschichte seit den 30er Jahren. Gleichzeitig wurden die Alumni per
Email über das Projekt informiert und konnten sich für die Mitarbeit anmelden. Auch
bei den ehemaligen Schülern war die Begeisterung von Anfang an groß. Im
Spätherbst 2019 suchten sich die Schüler „ihren“ Zeitzeugen aus und nahmen
ersten Kontakt auf.

In einem intensiven und äußerst produktiven Workshop im November 2019 an der
DSM unter Leitung von zwei Master-Studentinnen der Berliner Humboldt Universität
wurde den Schülern die Grundlagen der Oral History vermittelt.
Bei den Interviews, der Transkription und der kreativen Auseinandersetzung mit den
Erfahrungen der Zeitzeugen haben unsere Schüler ein persönliches Bewusstsein für
die (eigene) Geschichte bekommen und gelernt, dass Geschichte immer aus
verschiedenen Perspektiven heraus gesehen werden kann und muss, um sie zu
verstehen.

Auf diese Weise haben die Schüler sich intensiver mit einem konkreten Aspekt der
spanisch-deutschen Geschichte auseinandergesetzt, konnten ihre eigenen
Schwerpunkte setzen und konnten sich in ihrem eigenen Tempo, und ihrer
selbstgewählten Projektarbeit mit den Zeitzeugen und den Erfahrungen befassen.
Dieses Projekt wird dem Ziel des gemeinsamen Lernens und des kooperativen,
interkulturellen Austauschs einer deutschen Begegnungsschule im Ausland
besonders gerecht. Das haben auch unsere Schüler und wir schnell begriffen. Wir
sind dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben und hoffen, dass diese
Veröffentlichung auch bei den Lesern Interesse an dieser Zeit wecken wird und
vielleicht den ein oder anderen Zeitzeugen dazu ermutigt, die eigene Geschichte zu
erzählen.

Die Quellensammlung mit den persönlichen Erfahrungsberichten der ehemaligen
Schüler kann zum Selbststudium genutzt werden, aber auch im Unterricht eingesetzt
werden. So kann die – vermeintlich – objektive offizielle Geschichtsschreibung mit
den Erinnerungen der Zeitzeugen gegenübergestellt und verglichen werden. Auf
diese Weise lernen wir alle, dass die Geschichte immer von persönlichen
Erfahrungen und Lebensumständen geprägt wird.
Wir alle – Schüler wie Lehrer – beenden dieses Projekt in dem Bewusstsein, dass
wir reicher geworden sind: Reicher an Erfahrungen, an Wissen, aber auch an
persönlichen Kontakten und Freundschaften, die uns hoffentlich noch lange
begleiten werden.
Zuletzt bleibt uns nur der Dank an alle, die an diesem wunderbaren Projekt
mitgearbeitet haben: Tabea Nasaroff und Rebecca Wegmann, die unseren Schülern
die Grundlagen der Arbeit mit Oral History vermittelt haben und immer mit Rat und
Tat zur Seite standen; Paquita Sauquillo, deren enormer Erfahrungsschatz unseren
Schülern weiteren Zugang zur Geschichte Spaniens unter Franco gegeben hat, und
vor allem den Zeitzeugen, die sich so bereitwillig und begeistert den Fragen unserer
Schüler gestellt haben, und ihnen so den Schlüssel zur spanischen Geschichte, zur
Schulgeschichte und auch zu ihrer eigenen Geschichte in die Hand gelegt haben.

Danuta Kscheminski - Bettina Rönsberg - Benjamin Kristek

Die gesamte Präsentation kann unter folgendem Link eingesehen werden: